100 Jahre Fellini. Rimini feiert das italienische Filmgenie

100 Jahre Fellini. Rimini feiert das italienische Filmgenie

Beitrag von Tatjana Heckmann | Februar 2020

„Fellini 100. Genio immortale. La mostra“

Am 20. Januar wäre der italienische Regisseur Federico Fellini 100 Jahre alt geworden. Seine Geburtsstadt Rimini widmet ihm aus diesem Anlass eine Ausstellung, die noch bis Mitte April 2020 im Castel Sismondo zu sehen ist. Anschließend gastiert die umfassende Schau bis Juni in Rom, bevor sie nach Los Angeles, Moskau und Berlin weiterreist und am Ende der Tour dann als feste Einrichtung dauerhaft in Rimini bleiben wird. Fellini war über 50 Jahre als Drehbuchautor, Regisseur und Filmemacher tätig und hat im Laufe seiner Karriere insgesamt fünf Oscars gewonnen. In seinen Anfängen in den 1940er Jahren in Rom arbeitete er u. a. mit Roberto Rossellini zusammen – „Rom, offene Stadt“ von 1945 ist sicherlich der bekannteste Film aus dieser gemeinsamen Zeit. International bekannt wurde er mit „La Strada“, der 1954 bei den Filmfestspielen in Venedig lief. Die tragische Geschichte von Zampanò und Gelsomina mit Anthony Quinn und Fellinis Ehefrau Giulietta Masina in den Hauptrollen war der erste Film, der 1957 einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ gewann; 1958 folgte in derselben Kategorie gleich der zweite Oscar für Fellinis „Die Nächte der Cabiria“.

La Dolce Vita

In aller Welt  berühmt machte ihn allerdings sein Film „La dolce vita“ mit Anita Ekberg und Marcello Mastroianni in den Hauptrollen. Die Szene mit Anita Ekberg im Trevibrunnen gehört zweifellos zu den bekanntesten Filmszenen aller Zeiten. Fellini hat mit diesem Film das Image Italiens als das Land des Dolce Vita für immer geprägt.

Mural | Foto Riccardo Gallini | Comune di Rimini

Die Welt des Kino war für Fellini immer wieder ein Thema, mit dem er sich intensiv beschäftigte; mit Filmen wie „Amarcord“ (was eine Wortverschmelzung für „a m’arcord“ ist und im Dialekt seiner Heimat Io mi ricordo/Ich erinnere mich bedeutet) setzte er seiner Heimatstadt Rimini und dem sommerlichen Freiluftkino seiner Kindheit ein eindrucksvolles Denkmal. Rom und Rimini waren von Anfang an die beiden Fixpunkte in seinem Leben: seine Mutter war Römerin, sein Vater stammte aus Rimini. Kindheit und Jugend verbrachte er in Rimini, sein gesamtes Erwachsenenleben in Rom. Und fast alle seine Filme – mit wenigen Ausnahmen wie „Fellinis Casanova“ – spielen entweder in Rimini oder in Rom. In Cinecittà schuf er im Teatro 5 eine ganz eigene Welt mit Kulissen, von denen einige reell oder virtuell in der Ausstellung zu sehen sein werden.

Nulla si sa, tutto si immagina

Dieses Zitat ist typisch für Fellini „Man weiß nichts, man denkt sich alles aus.“ Seine Fantasie war grenzenlos, immer aufs Neue überraschend und bildgewaltig. Cineasten schätzen insbesondere seine Filme aus den 1960er und 1970er Jahren, die – typisch fellinianisch – voller traumartiger Szenen und oftmals schwer zu deuten sind. Der Regisseur war bekannt für seine skurrilen Charaktere, man denke nur an Zampanò in „La Strada“ oder die Figuren in „Fellinis Satyricon“, seine Traumwelten und den unglaublichen Bilderreichtum seiner Filme. Sie waren voller Poesie und gaben der Vorstellungswelt des Zuschauers weit über den Kinoabend hinaus viel Raum. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1993 erhielt Fellini einen Ehren-Oscar für sein herausragendes Lebenswerk, das mehr als 30 Filme umfasst.

Museo Internazionale Federico Fellini

Dieses großartige Gesamtwerk soll ab Dezember 2020 in dem neu entstandenen Museo Internazionale Federico Fellini dauerhaft geehrt werden. Mitten in der Altstadt von Rimini im Castel Sismondo, einer Burg aus dem 15. Jahrhundert, sollen in einer Multimedia-Ausstellung Erinnerungsstücke, Filmszenen, Fotografien u. v. m. gezeigt werden. Darüber hinaus erstrahlt das legendäre Cinema Fulgor, wo Fellini als Kind seine ersten Filme sah, in neuem Glanz. Das historische Kino im Palazzo Valloni wurde eigens für das Fellini-Jahr restauriert. Als Verbindung zwischen diesen beiden Orten dient das dritte Element: die „Piazza dei Sogni“. Auf diesem Platz der Träume sollen Installationen und Bühnenbilder von Fellini gezeigt werden. Ein Gesamtkunstwerk, das die Originalität dieses Großmeisters des italienischen Films gebührend würdigt.

Castel Sismondo | Foto Riccardo Gallini | Comune di Rimini

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