Von Malibu nach Volterra – eine Weltbürgerin zieht um

Von Malibu nach Volterra – eine Weltbürgerin zieht um

Beitrag von Tatjana Heckmann | Juni 2021

Fotos: ©Michael Orth

Von Kalifornien in die Toskana

Die deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke zieht im Herbst 2021 nach Italien. Nach 16 Jahren in den USA tauscht sie ihre südkalifornische Avocadofarm in Malibu gegen einen toskanischen Olivenhain auf halber Strecke zwischen Pisa und Siena. Das eine Fleckchen Erde mindestens so sonnig wie das andere – und doch zwei ganz verschiedene Welten: ein großer, mutiger Schritt in einem Lebensabschnitt, in dem viele bereits über Altersteilzeit und Ruhestand nachdenken. Sich neu zu erfinden und seinem Leben noch einmal eine ganz neue Richtung zu geben, erfordert viel Vorstellungskraft und daran mangelt es der Geschichtenerzählerin Cornelia Funke ganz sicher nicht. Wer jemals eines ihrer zahlreichen Bücher gelesen hat, den lassen ihre wunderbaren Geschichten nicht mehr los. Die vielgestaltigen Welten, in die man sich hineindenken kann, sind in ihrer unglaublichen Fülle eine außergewöhnliche Bereicherung.

Von Hamburg nach Italien

Die Affinität zu Italien, seinen Landschaften und Städten und nicht zuletzt zur italienischen Sprache ist bei Cornelia Funke schon seit langem vorhanden. Einer ihrer ersten Romane ­„Der Herr der Diebe“ (verfilmt 2006) spielt in Venedig und erzählt die Geschichte von Bo und Prosper, zwei Waisen, die aus Hamburg abhauen und sich in Venedig einer Kinderbande anschließen. In „Tintenherz“ hingegen ist es der fiktive Autor „Fenoglio“, der in Ligurien beheimatet ist. Und spätestens mit der Veröffentlichung von „Il Re dei ladri“ beim italienischen Verlagshaus Mondadori 2004 ist Cornelia Funke allen, die gerne lesen, auch jenseits der Alpen ein Begriff. Ihre neue Wahlheimat scheint daher nur folgerichtig; vielleicht wäre aber auch der Unterschied vom warmen Kalifornien bei einer Rückkehr ins eher kühle Hamburg nach so vielen Jahren einfach zu groß – wer weiß.

Sprache bestimmt die Weltsicht

In der Toskana wartet nicht nur eine neue Umgebung auf die Kinder- und Jugendbuchautorin, sondern auch eine neue Sprache. Und das, was Übersetzer so fasziniert, dass man sich nämlich mit dem Erlernen einer Fremdsprache auch immer eine bis dahin fremde Gedankenwelt erschließt, empfindet ein kreativer Kopf vermutlich ähnlich: Die Wahrnehmung verändert sich, die eigene Perspektive verschiebt sich, der gewohnte Blick auf die Welt wird ein anderer. Die jeweilige Sprache bestimmt das Bewusstsein. Das kann mitunter anstrengend sein, aber die Erfahrung ist in immer anregend und inspirierend.

Fragt man Cornelia Funke danach, woher sie die schier unerschöpflichen Ideen für ihre Bücher nimmt, ist die Antwort verblüffend einfach: „Die Welt ist aus Geschichten gemacht.“ Ihre großen und kleinen Fans können also gespannt sein, welche Geschichten die Autorin zukünftig erzählen wird. So soll der vierte Band der „Tintenweltreihe“ in ihrem neuen Zuhause in Volterra entstehen – da wo Mo und Meggie, Zauberzunge und Capricorn beheimatet sind – und sicherlich wird sich davon etwas in dem neuen Band wiederfinden. Darüber hinaus gibt es immer wieder Themenbereiche, die sie interessieren und zu denen sie für ihre Erzählungen aufwändig recherchiert. Auch beim Übersetzen macht die Recherche einen nicht unerheblichen Teil der Arbeit aus; einen Teil, den ich persönlich sehr schätze, weil jedes neue Thema den eigenen Horizont erweitert.

Buchübersetzungen

2020 wurde Cornelia Funke für ihr „Gesamtwerk“ mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet. Ihre Bücher sind mittlerweile in über 70 Sprachen übersetzt – von ebenso vielen Übersetzern und Übersetzerinnen, die mit Sprachgefühl, Leidenschaft und Begeisterung Funkes Geschichten den Lesern in deren eigener Kultur-, Sprach- und Gedankenwelt vermitteln – so wie ihre italienische Übersetzerin Roberta Magnaghi beim Verlag Mondadori. Gute Übersetzungen entstehen immer in der Zusammenarbeit zwischen Übersetzer, Autor und Verlag. Ein Konzept, das für die Autorin grundsätzlich wichtig ist: In ihren Büchern gibt es keine Einzelhelden, sondern es sind stets Figuren, die gemeinsam etwas erreichen.

Im Idealfall ist das im Berufsleben ebenso: Man arbeitet gemeinsam an einem Projekt und ist somit produktiver als ein Einzelkämpfer. Wir bei Punto Italiano sind ein Team, das für Übersetzungsprojekte und Dolmetschaufträge jederzeit gern zur Verfügung steht.